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Die Geschichte der 2. Bundesliga: von 1974 bis heute

Fußballgeschichte
Die Geschichte der 2. Bundesliga: von 1974 bis heute
Sprungbrett, Auffangbecken und Bühne für Traditionsvereine: Wie aus einer zweigleisigen Reformliga von 1974 der stimmungsvollste Unterbau des europäischen Fußballs wurde.

Gegründet 4. Mai 1974 Erste Saison 1974/75 Rekordtorschütze Simon Terodde (177) Rekordspieler Willi Landgraf (508)
Elf Jahre nach dem Start der Bundesliga hatte der deutsche Fußball ein Problem: Unterhalb der Eliteklasse herrschte ein Flickenteppich aus fünf Regionalligen, deren Niveau stark schwankte und deren Aufstiegsrunden intransparent waren. Am 4. Mai 1974 beschloss der DFB deshalb eine Reform, die den Unterbau professionalisieren sollte: die 2. Bundesliga. Zur Saison 1974/75 rollte der Ball – zunächst in zwei Staffeln, Nord und Süd, mit insgesamt 40 Vereinen.

Die Idee dahinter war klar: eine leistungsstarke, wirtschaftlich stabilere zweite Liga als Bindeglied zwischen Amateur- und Profifußball. Vereine wie der FC St. Pauli, Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg prägten die Anfangsjahre. Von Beginn an war die Liga das, was sie bis heute ist: ein Sprungbrett für die einen, ein Auffangbecken für die anderen.
Vom Doppel zur eingleisigen Liga
Die zweigleisige Struktur mit Nord- und Südstaffel hielt sieben Jahre. 1981 führte der DFB die 2. Bundesliga eingleisig zusammen – ein Schritt, der den Wettbewerb verschärfte und die Liga bundesweit vergleichbar machte. Ab 1982 kam die Relegation hinzu: Der Drittplatzierte der zweiten Liga trat gegen den Drittletzten der Bundesliga um den Aufstieg an. Diese Regelung wurde mehrfach ausgesetzt und wieder eingeführt; in ähnlicher Form gibt es sie bis heute.

In den 1990er Jahren folgte die nächste Professionalisierungswelle. Strenge Lizenzierungsverfahren sollten sicherstellen, dass alle Klubs finanziell und strukturell tragfähig waren. Die 2. Bundesliga wandelte sich vom sportlichen Unterbau zur durchorganisierten Profiliga.
  • 1974Gründung als zweigleisige Liga mit 40 Vereinen in den Staffeln Nord und Süd.
  • 1981Zusammenlegung zur eingleisigen 2. Bundesliga.
  • 1991Hansa Rostock steigt als erster Ostklub nach der Wiedervereinigung in die Bundesliga auf.
  • 1998Kaiserslautern wird als bislang einziger Aufsteiger direkt Deutscher Meister.
  • 2018Der HSV steigt erstmals ab – der letzte Bundesliga-Dauergast verliert seinen Sonderstatus.
  • 2024Mit HSV, Schalke und Hannover locken so viele Traditionsklubs, dass die Liga zeitweise mehr Zuschauer zählt als die Bundesliga.
  • 2026Schalke steigt als Meister auf, Elversberg gelingt als kleinstem Standort der Ligageschichte der erste Aufstieg.
Die Rekorde der 2. Bundesliga
Über fünf Jahrzehnte hat die Liga eigene Bestmarken hervorgebracht – manche davon so speziell wie die Liga selbst.

Rekordtorschütze ist Simon Terodde. Der Angreifer, der für gleich mehrere Zweitligaklubs auf Torejagd ging, brachte es auf 177 Treffer und löste damit Dieter Schatzschneider (153) an der Spitze der ewigen Torschützenliste ab. Kein anderer hat die zweite Liga über so viele Jahre derart geprägt. Wie sich die Torjäger der ersten Liga dagegen entwickelt haben, zeigt unsere Übersicht der Bundesliga-Torschützenkönige.
508 Spiele, kein einziges in der Bundesliga: Willi Landgraf ist der ewige Mann der zweiten Liga.
Rekordspieler ist Willi Landgraf mit 508 Zweitligaeinsätzen – verteilt auf Rot-Weiss Essen, den FC 08 Homburg, den FC Gütersloh und Alemannia Aachen. Bemerkenswert: In der Bundesliga stand Landgraf nie auf dem Platz. Er ist das Sinnbild einer Liga, in der Vereinstreue und Beständigkeit oft mehr zählen als der große Sprung nach oben.

Die meisten Saisontore erzielte Horst Hrubesch: 41 Treffer in der Saison 1977/78 für Rot-Weiss Essen, damals noch in der Nordstaffel. In der eingleisigen Liga hält Rudi Völler die Bestmarke mit 37 Toren für 1860 München (1981/82). Den höchsten Sieg feierte Arminia Bielefeld 1980 mit einem 11:0 gegen Arminia Hannover. Nicht zu verwechseln mit dem torreichsten Spiel: Das war das legendäre 7:6 des 1. FC Kaiserslautern gegen den SV Meppen am 11. Juni 1997 – dreizehn Tore in einer Partie.
Ein Meister aus der zweiten Reihe. Der 1. FC Kaiserslautern schrieb 1998 Fußballgeschichte: Ein Jahr nach dem Aufstieg aus der 2. Bundesliga wurde die Mannschaft von Otto Rehhagel überraschend Deutscher Meister – bis heute der einzige Verein, dem dieses Kunststück gelang.
Persönlichkeiten und große Namen
Die 2. Bundesliga war immer auch eine Bühne für Spieler und Trainer, die später Großes erreichten oder ihre besten Jahre bereits hinter sich hatten. Horst Hrubesch stürmte hier, bevor er beim HSV zur Legende wurde. Thomas Schaaf, später Meistertrainer von Werder Bremen, begann in der zweiten Liga. Und Trainer Friedhelm Funkel feierte in ihr einen Rekord: Sieben Bundesliga-Aufstiege gelangen ihm mit verschiedenen Klubs – zuletzt 2025 mit dem 1. FC Köln.

Selbst Altersrekorde erzählen Geschichten: Im Frühjahr 2026 traf Edin Džeko mit 39 Jahren für Schalke – der älteste Torschütze der Ligageschichte. Nur wenige Wochen zuvor hatte Kennet Eichhorn von Hertha BSC das andere Ende markiert: mit 16 Jahren der jüngste Spieler, den die zweite Liga je gesehen hat.
Die Liga der Traditionsvereine
Kein Ereignis veränderte das Selbstverständnis der 2. Bundesliga so sehr wie der 20. Mai 2018. An diesem Tag stieg der Hamburger SV erstmals ab – jener Klub, der als einziger seit Gründung der Bundesliga 1963 ununterbrochen erstklassig gespielt hatte. Die berühmte Stadionuhr, die die Jahre der Zugehörigkeit zählte, wurde angehalten. Der „Dino“ war gestürzt.

Doch was für den HSV ein Trauma war, wurde für die zweite Liga ein Segen. Mit Traditionsklubs wie dem HSV, Schalke 04 und Hannover 96 erlebte die Liga einen Zuschauerboom. In der Saison 2023/24 kamen an einem Spieltag erstmals mehr Fans in die Zweitliga-Stadien als in die der Bundesliga. Mit im Schnitt fast 30.000 Zuschauern pro Spiel übertraf die zweite deutsche Liga zeitweise sogar manche erste Liga anderer Länder.

Der HSV brauchte sieben Anläufe. Erst am 10. Mai 2025 gelang mit einem 6:1 gegen den SSV Ulm die Rückkehr in die Bundesliga – die längste Zweitliga-Zeit eines einstigen Dinos endete nach sieben Jahren.
Wo die 2. Bundesliga heute steht
Die Saison 2025/26 zeigte die ganze Bandbreite der Liga. Der FC Schalke 04 sicherte sich am vorletzten Spieltag die Meisterschaft und die direkte Rückkehr ins Oberhaus. Dahinter schrieb ein Winzling Geschichte: Die SV Elversberg aus dem gut 13.000 Einwohner zählenden saarländischen Spiesen-Elversberg stieg erstmals in die Bundesliga auf – der kleinste Standort, der es je nach oben geschafft hat. Den dritten Aufstiegsplatz vergab die Relegation: Der SC Paderborn drehte das Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg und stieg zum dritten Mal auf.

So bleibt die 2. Bundesliga, was sie seit 1974 ist: unberechenbar. Eine Liga, in der abgestürzte Giganten auf ambitionierte Dorfklubs treffen, in der die Stimmung oft besser ist als eine Etage höher, und in der jeder Spieltag den Weg nach oben oder unten entscheiden kann. Genau das macht ihre Geschichte aus.

Wer die aktuelle Zweitliga-Saison verfolgt, findet bei uns die passenden Analysen: von den 2. Bundesliga Tipps über die aktuelle 2. Bundesliga Tabelle bis zu den 3. Liga Tipps für die Klubs, die den Weg nach unten antreten mussten. Und wie alles begann, erzählt unsere Geschichte der 1. Bundesliga.
Häufige Fragen zur Geschichte der 2. Bundesliga
Wann wurde die 2. Bundesliga gegründet?
Die 2. Bundesliga wurde am 4. Mai 1974 gegründet und startete zur Saison 1974/75 ihren Spielbetrieb. Zunächst spielte sie zweigleisig in den Staffeln Nord und Süd mit insgesamt 40 Vereinen. 1981 wurden die beiden Staffeln zu einer eingleisigen Liga zusammengeführt.
Wer ist Rekordtorschütze der 2. Bundesliga?
Simon Terodde ist mit 177 Treffern Rekordtorschütze der 2. Bundesliga. Er löste Dieter Schatzschneider (153 Tore) an der Spitze der ewigen Torschützenliste ab. Die meisten Tore in einer einzelnen Saison erzielte Horst Hrubesch mit 41 Treffern für Rot-Weiss Essen (1977/78).
Wer hält den Rekord für die meisten Spiele in der 2. Bundesliga?
Willi Landgraf absolvierte 508 Zweitligaspiele – für Rot-Weiss Essen, den FC 08 Homburg, den FC Gütersloh und Alemannia Aachen. Bemerkenswert ist, dass Landgraf in seiner gesamten Karriere nie in der Bundesliga spielte.
Was war der höchste Sieg in der 2. Bundesliga?
Der höchste Sieg der eingleisigen 2. Bundesliga war das 11:0 von Arminia Bielefeld gegen Arminia Hannover am 23. Mai 1980. Davon zu unterscheiden ist das torreichste Spiel: das 7:6 des 1. FC Kaiserslautern gegen den SV Meppen am 11. Juni 1997 mit insgesamt dreizehn Toren.
Welcher Verein wurde nach dem Aufstieg aus der 2. Bundesliga Deutscher Meister?
Der 1. FC Kaiserslautern ist der einzige Verein, dem dieses Kunststück gelang. Ein Jahr nach dem Aufstieg aus der 2. Bundesliga wurde die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel in der Saison 1997/98 überraschend Deutscher Meister.
Wie lange spielte der HSV in der 2. Bundesliga?
Der Hamburger SV stieg 2018 erstmals in die 2. Bundesliga ab, nachdem er zuvor als einziger Verein seit Gründung der Bundesliga 1963 ununterbrochen erstklassig gespielt hatte. Nach sieben Jahren gelang am 10. Mai 2025 mit einem 6:1 gegen den SSV Ulm die Rückkehr in die Bundesliga.
Wer stieg 2025/26 aus der 2. Bundesliga auf?
Der FC Schalke 04 wurde Meister und stieg direkt auf. Die SV Elversberg schaffte als kleinster Standort der Ligageschichte erstmals den Sprung in die Bundesliga. Den dritten Platz sicherte sich der SC Paderborn über die Relegation gegen den VfL Wolfsburg.
26.07.2024